Unser bildungspolitischer Wunschzettel

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I1483795_586885298050125_703807564_nn wenigen Tagen werden sich unter euren Weihnachtsbäumen Geschenke stapeln; erfüllte Wünsche in knisterndes Geschenkpapier gewickelt und sehnlichst erwartet. Der Stadtschülerschafsrat Chemnitz hat ebenfalls eine Liste von Wünschen und Ideen Richtung Nordpol gesandt. Uns geht es jedoch weniger um ein neues Fahrrad oder Klamotten, sondern eher um Lehrermangel, Inklusion und Schulklima. Unser „bildungspolitischer Wunschzettel“ hält Belange und Anregungen rund um das sächsische Schulsystem fest, die Schülerschaft, Lehrerschaft und Eltern gleichermaßen betreffen und über die einmal nachgedacht und diskutiert werden muss.

1. Dem Lehrermangel effektiv entgegenwirken
Stundenausfälle, Langzeitkranke und überarbeitete Lehrer und Lehrerinnen sind eine Folge des Lehrermangels. Wir wünschen uns, dass der Altersdurchschnitt der sächsischen Lehrerschaft auf lange Sicht gesenkt wird und ausreichend Lehrkräfte eingestellt werden.
Wir erachten es für wichtig, dass der Lehrerberuf in Sachsen attraktiver wird: eine bundesweite und schulartenübegreifende Angleichung der Löhne könnte mehr Lehrer und Lehrerinnen nach Sachsen locken und Referendare nach ihrem Studium hier halten.

2. Ausbau der Medienkompetenz der Lehrerschaft
Wir leben in der Zeit der Smartphones, Tablets, E-Books, sozialen Netzwerken im Internet und Digitalisierung.Es muss möglich sein die neuen Medien in den Schulalltag zu integrieren. Jedoch scheitert dies teilweise an unzureichend weitergebildeten Lehrerkräften, die mit der neuen Technik überfordert sind. Spezielle Fortbildungen sind also nötig, um zeitgemäße Unterrichtsmethoden zu garantieren. Im Allgemeinen sollten Lehrer und Lehrerinnen regelmäßig Weiterbildungen besuchen.

3. Verlängerung der Referendariatszeit auf 2 Jahre
Im Moment hat ein Großteil der Referendare nur ein Jahr Zeit um Praxiserfahrung zu sammeln: ein halbes Jahr zuschauen und ein halbes Jahr selbst unterrichten. Wir glauben, dass zwei Jahre nötig sind um qualifizierte Lehrkräfte auszubilden. Außerdem werden die Referendare durch diese verkürzte Zeit nur in Sachsen als Lehrkraft anerkannt.
Wir wünschen uns eine erneute Anpassung der Referendariatszeit auf zwei Jahre, damit der Studiengang bundesweit vergleichbar bleibt und eine gute Unterrichtsqualität sichergestellt wird.

4. Kostenfreie Schülerbeförderung
Für keinen Schüler und keine Schülerinnen sollten Unkosten aufgrund seines Schulwegs entstehen; die finanziellen Verhältnisse sollten bei der Wahl der Schule keine Rolle spielen dürfen.

5. Ausbau der Berufs- und Studienberatung
Zu viele Schüler sind sich nach ihrem Schulabschluss nicht über ihre berufliche Zukunft im Klaren und haben Probleme sich für einen Studiengang oder eine Ausbildung zu entscheiden. Mit einer verbesserten Berufs- und Studienberatung wird dem entgegengewirkt, da sich die Jugendlichen weitreichend informieren können, um herauszufinden, was ihnen liegt und was nicht und wo sie sich in 10 Jahren einmal sehen könnten. So kann die Zahl der Studienabbrüche verringert und sichergestellt werden, dass das Interesse für den jeweiligen Beruf auch dauerhaft vorhanden sein wird.

3. Sozialarbeiter für jede Schule
In der Schule treffen Menschen aus verschiedenen Familienverhältnissen mit unterschiedlichen Talenten und Schwächen, Lernmotivation und Anforderungsniveau aufeinander. Sozialarbeiter an den Schulen halten wir für wichtig, da Schüler und Schülerinnen mit verschiedensten Herausforderungen, ob zu Hause oder in der Schule, konfrontiert werden und ihnen bei der Lösung von Problemen, für die sie selbst keine Antwort wussten, geholfen wird. Leider sind Themen wie Mobbing, Überforderung mit dem Stress in der Schule und häusliche Gewalt immer noch aktuell und niemand sollte damit alleine dastehen müssen, sondern eine neutrale Anlaufstelle haben.

6. Mehr Ganztagsangebote
Im Moment werden Ganztagsangebote an Chemnitzer Schulen immer weiter eingekürzt. Dabei sollte man die Stundenanzahl für AG-Angebote nicht minimieren, sondern die Möglichkeiten für eine kostenfreie Freizeitbeschäftigung für Schüler und Schülerinnen ausbauen und fördern. Lehrer, Lehrerinnen und außerschulische Betreuer müssen einen finanziellen Anreiz erhalten und so ihr Engagement wertgeschätzt werden.

7. Schulsanierungen
In Chemnitz gibt es eine Vielzahl von baufälligen Schulen, die dringen Sanierungen benötigen und modernisiert werden müssen. Wir wünschen uns, dass, es ein Hauptanliegen der Stadt wird, die Gebäude in Stand zu setzen und den Standard auch zu halten, damit sich die Schülerschaft in einer gesunden Lernatmosphäre weiterbilden kann. Es lohnt sich immer in die Zukunft, und damit in die Jugend zu investieren!

8. Wirksame und neutrale Drogenpräventionsarbeit
Wir sprechen uns für eine Überarbeitung der Art und Weise der Drogenprävention aus, denn im Moment haben wir den starken Eindruck, dass diese von nicht Ernst genommen wird, sondern eher verlacht wird.

9. Anerkennung von Schülervertretungsarbeit
Jeder Klassensprecher kennt die Situation: die Klasse hat ein Anliegen, man will sich dafür stark machen und dann steht man vorne beim Lehrertisch und die gut überlegten Worte werden viel zu oft nicht ernst genommen. Auch Schülersprecher, wir im Stadtschülerschaftsrat Chemnitz und höchstwahrscheinlich auch der Landesschülerrat kennen Situationen wie diese bestimmt. Natürlich gibt es auch positive Beispiele, aber wir wünschen uns, dass Schülervertretung von „denen da oben“ anerkannt und wertgeschätzt wird und Ideen und Forderungen nicht nur mit einem Nicken registiert und dann abgehakt werden.

10. Integration der Schulen in freier Trägerschaft in Schülergremien
Wir wünschen uns, dass alle Schulen in Chemnitz, egal ob mit staatlichen oder freiem Träger zusammen im SSR vertreten sein dürfen. Wir sind alle Schüler und Schülerinnen aus der selben Stadt und so könnte man einen Austausch anregen und vielleicht würden wir feststellen, dass man die selben Kritikpunkte und Projektideen hat. Bei der Schülervertretung geht es um Interesse, Motivation, Kreativität und den Mut auch einmal etwas Utopisches zu fordern; und je mehr wir sind, vereint in einem Gremium, desto lauter ist unsere Stimme.

11. Ein bundesweites Bildungssystem
Um eine deutschlandweite Vergleichbarkeit der Bildungsstandards erreichen zu können, wünschen wir uns länderübergreifende Lehrpläne und ein Zentralabitur. So könnten Hochschulen die Leistungen besser einordnen und auch international gäbe es ein einheitliches Bild des Bildungssystems und Anforderungsniveaus in Deutschland.

12. Vorbereitete und weitreichende Inklusion
Wir wünschen uns, dass der Inklusionsgedanke in den Chemnitzer Schulen aufgenommen wird. Um dies erfolgreich umzusetzen, müssen Lehrer- und Schülerschaft gleichermaßen darauf vorbereitet und nicht ins kalte Wasser geworfen werden. Das Schulsystem und die Menschen, die es gestalten und darin agieren müssen für das Thema sensibilisiert werden und sich für eine Art des Lernens öffnen, die nicht nur auf Leistung ausgelegt ist, sonder auch auf gegenseitige Unterstützung und Toleranz; Das bedeutet zum einen Fortbildungen für Lehrer und ein vermehrter Einsatz von pädagogischen Unterrichtshilfen, und auch Schülerseminare. Außerdem sind barrierefreie Schulen die Grundvoraussetzung für Inklusion.

Es sind große Themen und schöne Träume, die wir hier gesammelt haben und uns ist bewusst, dass wir am Dienstag wohl kaum damit rechnen können, dass sich die Situation an den Schulen grundlegend gewandelt hat und unter dem Weihnachtsbaum in der Innenstadt auf einmal ein Zentralabitur und 40 Sozialarbeiter bereit stehen. Es ist ein langer Prozess, verbunden mit vielen Diskussionen, Widerstand und Geldfragen, der in vielen Fällen nicht von einem einzigen kleinen Schülerrat in diesem großen Land und dem noch größerem Bund allein durchgesetzt werden kann. Wir geben mit der Liste Denkanstöße in welche Richtung sich die Bildungspolitik entwickeln sollte, sprechen Themen an, die von den Verantwortlichen zu oft unter den Tisch gekehrt werden, weil sie zu teuer seien und zu viel Arbeit bedeuten würden.
Weihnachten ist die Zeit der Träume und Wünsche. Und vielleicht inspirieren euch ja unsere Ideen und unsere Träume werden eines Tages zu euren Forderungen.