38. Landesdelegiertenkonferenz in Radeberg

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Vom 8.11 bis zum 10.11 haben haben ungefähr 70 engagierte Jugendliche wieder einmal getestet, was Basisdemokratie denn wirklich heißt: jede Entscheidung, sei es nun bezüglich der Tagesordnung, Anträgen, die Forderungen des LSR in wichtigen bildungspolitischen Bereichen definieren oder nur die Frage nach zehn Minuten Pause wird von der Mehrheit abgestimmt und entschlossen.

Landesdelegierte 2013-2015Landesdelegierte der Legislatur 2013-2015

Landesdelegiertenkonferenzen (LDK) bieten eine Plattform für alle interessierten Schüler ihre Meinung kund zu tun, andere davon zu überzeugen, sich auch ab und zu umstimmen zu lassen und wichtige Denkprozesse in der Politik anzustoßen: als Schüler haben wir ein Beschwerderecht und das Recht auf Meinungsfreiheit – wir sind es, die die Beschlüsse der Politiker umsetzen müssen und damit eben diese nah an der Realität liegen und nicht am Bedarf vorbei, an alten Werten und Erinnerungen orientiert, gesetzt werden, muss die Schülerschaft Sachsens den werten Herren und Damen im Landtag klar machen, wo Baustellen in der Bildungspolitik sind. Da ist es beruhigend zu wissen, dass kompetente und motivierte Köpfe im Landesschülerrat dafür sorgen, dass wir eine unüberhörbare Stimme haben, die sich trauen im Landtag mit unangenehmen Fragen auf die Füße zu treten, immer ein Ziel im Blick: den Schulalltag an sächsischen Schulen für alle Schüler zu optimieren, damit sich jeder wohlfühlt und sich motiviert in den Unterricht setzt, mit dem Gedanken etwas Wichtiges für das spätere Leben zu lernen.

Es war nicht meine 1. LDK. Vor 2 Jahren war ich schon einmal Landesdelegierte und habe mir das Spektakel genau angesehen und ich muss sagen, dass sich die Wochenenden, so kräftezehrend sie manchmal auch sein mögen, immer hundertprozentig lohnen. Man steht drei Tage lang im intensiven Austausch mit anderen, diskutiert ein weites Spektrum an Themen und tauscht sich über Projektideen aus.

Die letzte LDK legte ihren Schwerpunkt, wie gewohnt auf die Diskussion von zahreichen, klugen, manchmal fast revolutionistischen Anträgen des Vorstandes oder verschiedene Kreisen. So wurde über ein neues Konzept einer Oberstufenreform geredet, beschlossen, dass sich der LSR für eine Änderung der Lehrpläne in Ethik und Religion ausspricht und die Frage der Benotung Talentfächer wurde augeworfen. Marcel Seerig, Alexander Schuschies, Tom Otto und ich kamen gegen 13.30 an, um dort auf die schon vorher angekommenen fleißigen Bienchen Carl Geißler und Jonas Fischer, letzterer ehemaliges Mitglied des Landesvorstandes, zu treffen. Wir hatten gerade Zeit unser Gepäck abzustellen, und schon waren wir mittendrin in der 38. Landesdelegiertenkonferenz. Das Programm war gut durchdacht, der Zeitplan manchmal zu eng gestrickt, sodass sich die wenigen Pausen meistens auf 5 Minuten beschränkten. Nach der Wahl des Tagespräsidiums gab es einen kurzen Diskurs zum Thema Zeitmanagement von einem Vertreter der „Seminarkantine“, gefolgt von einem kleinen Einblick in die Arbeit des Landesvorstandes die letzten zwei Jahre.

Als nächstes warteten vor der Tür der Aula des Humboldtgymnasiums schon die bildungspolitischen Sprecher von SPD, FDP, CDU, und der Linken, die in einer einstündigen Podiumsdiskussion Fragen zum Thema Lehrermangel, Inklusion und Berufs- & Studienorientierung beantworteten. Am nächsten Tag sollte dann noch eine Diskussion mit den Jugendorganisationen der SPD, CDU, den Grünen und den Linken folgen. Eine unglaubliche Chance einmal selbst Fragen zu stellen und ein genaueres Bild der Parteien zu bekommen; jedoch war die Zeit knapp bemessen. Sehr schade, denn so konnten nur wenige Aspekte der Bildungspolitik knapp angesprochen werden.

Aber das hatte ja seinen Grund: Ein Großteil der Zeit auf der LDK haben wir damit verbracht Anträge zu diskutieren. Bis 2 Uhr nachts haben wir am Freitag den Leitantrag des Vorstandes akribisch diskutiert und in kleinen Abschnitten verabschiedet. Puh, das war ein ganz schön harter Brocken, da spätestens ab 22 Uhr die Konzentration und Aufnahmefähigkeit Stück für Stück abnahm. Aber es wurde für ausreichend Kaffeenachschub gesorgt und das Gefühl, wirklich etwas verändern zu können, hat die Motivation aufrechterhalten. Mit einem tosendem Applaus haben wir uns dann in den Abend verabschiedet.

Nach einer kurzen Nacht und einem leckeren Frühstück ging es frisch und halbwegs munter weiter. Am 2. Tag legten alle Vorstandsmitglieder Rechenschaft ab und wir teilten uns in verschiedene Workshops ein: Aktion Zivilcourage, Webdesign, Jugend gegen AIDS, Talented (ein deutschlandweiter Musikwettbewerb) und ein Seminar von „Mitwirkung mit Wirkung“. Und wie wie ein roter Faden, so zogen sich auch am Samstag Antragsdiskussionen vom Nachmittag bis in die Nacht. Diesmal waren es Anträge von allen Kreisen und Städten. Eigentlich gab es nur wenige eingereichte Wünsche, eine gute Sache, denn das hätte geheißen, dass die Diskussionen in einem überschaubaren Zeitraum von statten gegangen wären, aber es trat ein Massenphänomen auf: Initiativanträge. Das heißt, dass man mit der Unterschrift von 5 weiteren Landesdelegierten noch Eilanträge stellen kann während der LDK. Es waren dieses mal sage und schreibe 17! Also stellten wir uns auf eine lange Diskussion ein, gut ausgerüstet mit Knabberzeug und Getränken.

Leider bekam man im Laufe der Debatte das Gefühl, dass viele kurzfristige Ideen noch nicht ausgereift oder gar nicht durchdacht waren, einfach weil sie hastig in irgendeiner Form aufgeschrieben wurden. Das senkte das sonst so hohe Niveau der Diskussionen doch erheblich, da dann spontan viele der Anträge zurückgezogen und der Rest größtenteils abgelehnt wurde.

Sonntag war der Tag der Neuwahlen: Der gesamte bisherige Landesvorstand hatte seine zweijährige Legislaturperiode hinter sich und neue Gesichter sollten in die großen Fußstapfen treten.

Gewählt wurde natürlich geheim, jedes Amt einzeln, mit einer pompösen musikalischen Untermalung.

Hier die Liste der Neugewählten:

Vorsitzender:
Patrick Tanzer (Berufsschüler, KSR Bautzen)

stellv. Vorsitzende:
Johanna Littke, (Berufsschülerin, SSR Dresden)

Finanzer:
Friedrich Roderfeld, ( Oberschüler, KSR Sächsische Schweiz/Osterzgebirge)

Beisitzer:
Kilian Sirach ( Gymnasiast, KSR Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge)
Julia Dathe (Gymnasiastin, SSR Dresden)
Marcel Seerig (Berufschüler, SSR Chemnitz)
Sarah Hönemann ( Gymnasiastin, SSR Leipzig)

An der Stelle noch einmal Gratulation an Marcel, der sich nun als festes Mitglied aktiv an der Arbeit im Vorstand beteiligen wird!

Chemnitzer Delegation

Die Chemnitzer Delegation (außer Alex) möchte anonym bleiben.

Ein aufregendes Wochenende geht zu Ende. 3 Tage mit fast 70 anderen engagierten Schülern und Schülerinnen und ihren Gedanken und Ideen, stundenlangen Antragsdiskussionen und so vielen Eindrücken, dass man sie schwer alle in Worte fassen kann. Ich bin froh, da gewesen zu sein und außerdem gespannt, was der LSR in den nächsten 2 Jahren auf die Beine stellen wird!

Elisabeth Kapust