Die Oberbürgermeisterwahl naht – Letzter Teil

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jens weis

Am 16.06. wird in Chemnitz über den neuen Oberbürgermeister oder die neue Oberbürgermeisterin entschieden. Wir haben die Kandidaten und die eine Kandidatin der demokratischen Parteien nach einem Statement hinsichtlich der Bildungspolitik in der Stadt gefragt. Den Abschluss macht Jens Weis (FDP). 

Schulhausbau

Die Sanierung der Kitas und Schulen in unserer Stadt hat für mich absoluten Vorrang. Die aktuellen Hochwasserereignisse in Chemnitz haben die Situation zudem in einigen Objekten weiter verschärft. Gute Lern- und Ausbildungsbedingungen schaffen die Voraussetzungen, dass junge Menschen optimale Startbedingungen für ihren Berufseinstieg erhalten.

Der Freistaat Sachsen investiert 70 Millionen Euro Landesmittel im Doppelhaushalt 2013/14 in den Schulhausbau. Über den Zukunftssicherungsfonds stellt er für 2015/2016 insgesamt weitere 100 Millionen Euro bereit. Damit wird auch Chemnitz bei seiner Pflichtaufgabe, die Schulgebäude zu sanieren, unterstützt. Diese Mittel müssen von der Stadt umfassend genutzt werden.

In Chemnitz hat sich das bisherige Konzept der Schulbezirke bewährt. Damit konnten Schulen im Stadtgebiet Chemnitz gesichert werden.

Ausbildung und Berufseinstieg

Die Zeiten, in denen junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz in andere Bundesländer abwandern mussten, sind vorbei. Es gibt mehr Lehrstellen als Bewerber in der Region. Damit die Chancen gerade auch bei den kleineren Unternehmen besser gesehen werden, muss die Berufsorientierung in den Schulen zusammen mit Unternehmen und Kammern gestärkt werden. Der Oberbürgermeister kann helfen, das Thema stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Viele Unternehmer möchten in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und suchen dringend Nachfolger. Der Oberbürgermeister muss helfen, für mehr Mut zum Unternehmertum zu werben – und dies beginnt bereits in den Schulen. Auch hier können Talente zum Beispiel über Schülerfirmen frühzeitig geweckt und gefördert werden.

Mit der Technischen Universität hat Chemnitz eine Spitzenforschungseinrichtung und eine sehr gute Voraussetzung, um hervorragende Studienbedingungen zu bieten. Die Schulen müssen eng mit der Universität zusammenarbeiten.

Damit auch nach der Ausbildung ausreichend Arbeitsplätze vor Ort vorhanden sind, brauchen wir eine bessere Wirtschaftsförderung. Bisher wanderten Unternehmen ins Umland ab und schufen dort neue Arbeitsplätze. Das muss sich dringend ändern.

Ganztagsangebote

Sachsen hat eine sehr hohe Quote in der Ganztagesbetreuung erreicht. An über 70% der Schulen wird sie bereits angeboten. Der Anteil liegt in Sachsen damit deutlich über dem Durchschnittswert der westdeutschen Bundesländer. Die Ganztagesangebote an den Chemnitzer Schulen müssen nun qualitativ gestärkt und weiterentwickelt werden. Sinnvoll ist es, dass sich diese stärker der Berufsorientierung widmen und auch die Grundlagen dafür schaffen, dass jungen Menschen die notwendigen Werte vermittelt werden, um einen Ausbildungsplatz in der Region zu finden. Oft scheitert die erfolgreiche Suche nach einem Ausbildungsplatz an den nötigen „Soft-Skills“.

Jugendbeteiligung

In Chemnitz ist der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung erheblich gesunken. Es ist daher wichtig, dass junge Menschen stärker in der Kommunalpolitik berücksichtigt werden. In Kommunen, beispielsweise auch in Chemnitz gab es bereits einige Ansätze, s.g. Jugendparlamente oder Jugendforen einzurichten. Diese guten Ansätze scheiterten jedoch daran, dass die Entscheidungsvorlagen für die Jugendlichen ungenügend aufbereitet wurden. Dadurch blieben Erfolgserlebnisse aus, und die Motivation junger Menschen zur Mitgestaltung sank. Das muss sich ändern, und dafür möchte ich die Voraussetzungen schaffen.

Die von der Stadtverwaltung initiierte Kinder- und Jugendkonferenz ist kein Ersatz. Es fehlen fest geschriebene Mitwirkungsrechte. Die Konferenz trägt letztlich nur beratenden Charakter. Wichtig ist, dass man junge Menschen bei den Entscheidungen direkt einbindet.

Schulsozialarbeit

Die Schule ist ein wichtiger Baustein bei der Sozialisation junger Menschen. Die Schule kann dabei jedoch nur ergänzend wirken. Wichtig ist zunächst, ein funktionierendes soziales Netz im Elternhaus und im unmittelbaren Lebensalltag zu gewährleisten. Eltern und Lehrer haben eine gemeinsame Verantwortung den Kindern und Jugendlichen gegenüber, besonders hinsichtlich der Vermittlung entsprechender Werte. Auf die Schulsozialarbeit dürfen deshalb vorhandene Probleme nicht abgewälzt werden.

Schulstundenausfall und Abbrecherzahlen

Der steigende Schulstundenausfall und die Abbrecherzahlen sind so nicht mehr hinzunehmen. Jede Ausfallstunde für die Schüler ist eine zu viel. Fünf Milliarden Euro gibt Sachsen deshalb in den kommenden beiden Jahren jeweils für den Bereich Bildung und Forschung aus. Das ist fast jeder dritte Euro des Gesamthaushalts. Insgesamt 820 Millionen Euro geben wir bis 2016 für das Bildungspaket aus. Die schwarz-gelbe Koalition sichert damit auch den Unterricht ab, bekämpft den Stundenausfall, stellt junge Lehrer ein und entwickelt die Mittelschule zur Oberschule weiter. Die FDP ist dafür, den Schulen mehr Autonomie einzuräumen, damit diese direkt auf den Ausfall reagieren können. Deshalb wurde ein ‚Programm Unterrichtsgarantie‘ eingerichtet, für das in 2013/2014 12,5 Mio. Euro bereitgestellt werden. Die Vorgängerregierungen, auch unter Beteiligung der SPD, haben dieses Problem nicht angepackt.

Die größte Herausforderung bleibt die hohe Zahl von Schülern, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Diese liegen bei rund 10 Prozent. Das sind potentielle Arbeitskräfte, die dem Freistaat buchstäblich verloren gehen! Es darf gar nicht erst dazu kommen, dass diese ehemaligen Schüler durchs Raster fallen. Dazu müssen frühzeitig Lösungen entwickelt werden. Meines Erachtens ist bisher zu wenig in Maßnahmen im Vorfeld eines Schulabbruchs investiert worden. Stattdessen wurden die finanziellen Mittel für die „Nachsorge“ für Leute ohne Abschluss beispielsweise über den 2. Bildungsweg und Überbrückungsjahre bereitgestellt. Hier ist ein Umdenken notwendig.

Mehr Schulautonomie

Erklärtes Ziel der FDP ist es, mehr Schulautonomie an sächsischen Schulen zu erreichen. Dazu sollen die Schulen Personalautonomie erhalten und so auch über die Einstellung von Lehrkräften selbst entscheiden können. Dazu sollen Sie ein eigenes Budget erhalten, aus dem sie Personal und Sachmittel im Einklang mit den Schülern, Eltern und Lehrern bestreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Weis

 

Bildquelle: http://www.jensweis.de