offener Brief

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LEHRKRÄFTE STATT LEERKRÄFTE!

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Wöller,

der Lehrermangel an sächsischen Schulen ist ein altbekanntes Problem. Nur lassen sich bisher auch nach ausschweifenden Diskussionen und Vorschlägen keine Verbesserungen erkennen. Nach wie vor sind Sachsens Schulen chronisch unterbesetzt und die Lehrer chronisch überlastet! Arbeitsgemeinschaften werden gestrichen, Vertretungsstunden können nicht mehr geleistet werden und daher kommt es zu übermäßigem Stundenausfall und langfristig zu Bildungslücken der Schüler. Um die Grundlagenausbildung in der Grundschule zu garantieren und der Unterbesetzung entgegenzuwirken, setzten Sie auf Abordnungen. Jedoch haben die verstärkten Abordnungen von Gymnasial- und Mittelschullehrern an Grundschulen eine unübersichtliche Zirkulation der einzelnen Lehrkräfte zwischen den verschiedensten Städten und Schultypen zur Folge. Da der Lehrermangel in Sachsen jedoch ein grundlegendes Problem darstellt, ist diesem nur mit langfristigen Lösungsansätzen, nicht mit oberflächlichen Lösungsversuchen, entgegen zu wirken! Wir erwarten, dass Sie sich nicht ausschließlich mit den Auswirkungen, sondern mit den Gründen des Problems auseinandersetzen.
Des Weiteren finden wir problematisch, dass eine bestmögliche Grundausbildung in Sachsen nicht garantiert werden kann, da die Lehrkräfte unserer jüngsten Schüler keine spezifische Ausbildung für den jeweiligen Schultyp durchlaufen haben und so nicht optimal in ihrem Beruf eingesetzt werden können.
Jedoch herrscht nicht nur an Sachsens Grundschulen Lehrermangel; auch Mittelschulen und Gymnasien sind stark betroffen. Durch die Verschärfung der Normen auf Grund der Reform der gymnasialen Oberstufe sind Sachsens Schüler zusätzlichem Leistungsdruck ausgesetzt und zur Eigeninitiative verpflichtet, um ein bestmögliches Abitur zu schreiben. Ohne Unterstützung einer Lehrerschaft, welche weder von Überlastung, noch von Überalterung betroffen ist, ist die Oberstufenreform nur eine zusätzliche Bürde für die sächsischen Schüler. Herr Prof. Dr. Wöller, kann der Bildungsauftrag in Sachsen zukünftig bestmöglich erfüllt und die Unterrichtsversorgung gewährleistet werden? Unsere Generation wird in einigen Jahren oder Jahrzehnten die Steuern und Renten erwirtschaften, im sächsischen Parlament sitzen und öffentliche Ämter übernehmen. Die Schüler sind die Zukunft! Aber ist Sachsens Bildungspolitik zukunftsfähig? Noch lagen wir bei dem aktuellen Ländervergleich „Bildungsmonitor 2011“ auf Platz 1. Kommt es jedoch zu dem Ausscheiden der älteren Lehrergeneration, die die Mehrheit aller Lehrer in Sachsen darstellen, aus dem Berufsleben und zur Fortsetzung der Tendenz der sinkenden Neueinstellungen ist dieses Ergebnis absolutunhaltbar. Der Lehrermangel an Sachsens Schulen ist ein Problem höchster Dringlichkeit. Die Verantwortung für die Ausbildung der Schüler in Sachsen, deren Zukunft und für ein bundesweit konkurrenzfähiges Bildungssystem liegt in den Händen des Kultusministeriums.

Hochachtungsvoll
Anja Klotzbücher
(stv. Vorsitzende d. Kreisschülerrat der Stadt Chemnitz)